Samstag, 9. Juli 2011

Treibstoff-Margen in Österreich trotz staatlicher Reglementierung überraschend hoch

Eignet sich das österreichische Spritpreis-Gesetz als Vorbild für Deutschland?

In Zeiten, da die Rohölpreise auf den internationalen Rohstoffbörsen in astronomische Höhen schnellen und die nationalen Spritpreise an den Tankstellen mit nach oben ziehen, wird nur allzu gerne von einigen Politikern im deutschen Lande über Maßnahmen nachgedacht, wie die Ölkonzerne dazu gebracht werden könnten, mit den Preisen an den Tankstellen herunterzugehen. Der kürzlich vorgelegte Kartellamtsberichts über die Situation auf dem deutschen Treibstoffmarkt war wieder einmal die ideale Gelegenheit für einige Politiker, nach einem System zu rufen, dass ähnlich wie in unserem Nachbarland Österreich die Häufigkeit der Preiserhöhungen eindämmt. In Österreich dürfen die Tankstellen ihre Preise nur einmal am Tag erhöhen, Preissenkungen sind dagegen jederzeit möglich. Erreicht werden soll damit eine bessere Transparenz des Marktes und die Erleichterung für den Autofahrer bei der Wahl der preisgünstigsten Tankstelle, was folglich zu einem wirksamen Absinken des Preisgefüges führt, so der Gedanke der dahinter steht.

Die Hoffnungen, die die österreichischen Wirtschaftspolitiker und die Autofahrerverbände an dieses Modell geknüpft haben, konnte das System bisher jedoch nicht erfüllen. Es fehlen bisher die eindeutigen Hinweise, dass sich das Spritzpreisniveau an den Tankstellen in Österreich unmittelbar zugunsten des Autofahrers nach unten bewegt hat. Schlimmer noch: Der renommierte „Energie Informationsdienst EID“ meldet aktuell, dass sich trotz des Spritpreis-Gesetzes die Brutto-Erträge je Liter sowohl bei Eurosuper wie auch beim Diesel in diesem Jahr bei den in Österreich tätigen Mineralölunternehmen deutlich verbessert haben. Aus dem früheren „Margen-Schwächling“, wie die Ölbranche in Österreich traditionellen bezeichnet wurde, ist nun ein Margen-Riese geworden. Ganz im Gegensatz zum deutschen Tankstellengeschäft: Hier „waren die Brutto-Tankstellenmargen in diesem Jahr bisher bei Diesel auskömmlich – und bei Benzin unterirdisch“ kommentiert der EID die Situation in Deutschland und kommt zu dem Schluss, dass das Modell Österreich „gründlich schiefgegangen“ sei.

Bleibt abzuwarten, ob die aktuell in Österreich beschlossene Novelle des Spritpreisgesetzes, die u. a. die Einführung einer Spritpreis-Datenbank vorsieht, aus der jeder Autofahrer sofort die 5 preisgünstigsten Tankstellen in seiner Nähe angezeigt bekommt, ihre Wirkung zeigt und das Spritpreisniveau österreichweit verbraucherfreundlich beeinflusst.