Freitag, 7. Oktober 2011

FVMI: Tankstellenexistenzen in Österreich durch die höchsten Preistransparenz-Standards in Europa bedroht

Österreich: Tankstellen können in ländlichen Gebieten bald die Rolle der einzig verbliebenen Nahversorger nicht mehr erfüllen

Wie der Fachverband der Mineralölindustrie (FVMI) in Wien mitteilt, sind die Margen im Tankstellensektor seit Beginn des Jahres spürbar zurückgegangen. Als Grund hierfür ortet der Fachverband die erste Stufe der Spritzpreisverordnung, die Spritpreisänderungen an Österreichs Tankstellen innerhalb von 24 Stunden nur nach unten erlaubt. Die Tankstellenpreise seien im Vergleich zu anderen Branchen mittlerweile an Transparenz kaum mehr zu überbieten. Schon im Internet kann der Kunde die in der Umgebung aktuell billigste Tankstelle finden und vor Ort die Preise über die Preisauszeichnungs-Transparente schon im Vorbeifahren ablesen. Dieser von der Politik den Tankstellenbetreibern auferlegte Konkurrenzdruck verbunden mit dem zusätzlichen kostenintensiven Verwaltungsaufwand für die Implementierung und Unterhaltung neuer Preisinformationssysteme werde dazu führen, dass immer mehr Tankstellen in Österreich sich vom Markt endgültig verabschieden müssen, warnt der FVMI.

Die Folge dieser "wettbewerbsfördernden" Transparenzbestimmungen sind weitere Schließungen von unrentablen Standorten vor allem im ländlichen Raum. In den letzten zehn Jahren hat sich bereits die Zahl der für alle Autofahrer öffentlich zugänglichen Tankstellen in Österreich um mehr als 200 auf knapp 2.660 reduziert, auch 2010 ging die Abwärtsentwicklung weiter. Im Vergleich zum Vorjahr gab es Ende 2010 laut FVMI-Erhebung unter Vermeidung von Doppelzählungen um nahezu 60 Tankstellen weniger als noch zum 31.12.2009, was einem Rückgang von 2 % entspricht. Aufgrund der geringen Verdienstmöglichkeiten wird es in Österreich immer schwieriger, Tankstellen wirtschaftlich erfolgreich zu führen. Zahlreiche Tankstellenbetreiber können dem wirtschaftlichen Druck nicht mehr standhalten und sehen sich gezwungen, unrentable Standorte zu schließen.

Eine weitere Ausdünnung des Tankstellennetzes bedeutet für zahlreiche Gemeinden oftmals das Wegbrechen des einzig verbliebenen Nah- und Kraftstoffversorgers. Besonders hart trifft es Gemeinden in wirtschaftlich schwachen Regionen und sogenannten "Randlagen", die ohnehin schon unter Strukturschwäche und Abwanderung leiden, befürchtet der Fachverband. Das Tankstellensterben zeige bereits deutliche Folgen, beobachtet der FVMI: In manchen Landesteilen müssen die Menschen schon jetzt oft sehr weit bis zur nächsten Tankstelle fahren, was weder im Sinne eines umweltbewussten Fahrens noch einer sicheren Energieversorgung sein kann. Weil viele Tankstellenshops gerade in dünn besiedelten Gegenden die Rolle des Nahversorgers wahrnähmen – fiele mit dem Schließen von Tankstellen dann endgültig auch dieser im Ort weg. Interventionen von Bürgermeistern gegen diese Schließungsabsichten lassen dann rasch erkennen, dass der öffentliche Druck auf das Kraftstoffgeschäft durch laufend neue Forderungen und Polemik im krassen Widerspruch zu den örtlichen Anliegen steht, folgert der Fachverband der Mineralölindustrie.

Ins Reich der Fabeln verweist das FVMI die Behauptungen, dass in der österreichischen Mineralölbranche gut verdient wird. Fakt ist, dass sich in kaum einem anderen europäischen Land so wenig mit dem Verkauf von Kraftstoffen verdienen lässt wie in Österreich. Eine neuerlich überprüfte Studie der Beratungsfirma Wood Mackkenzie hat unter Berücksichtigung der jüngsten Mineralölsteuererhöhung ergeben, dass Österreich zu den wenigen Staaten Europas gehört, in denen die Brutto-Tankstellenmargen bei Benzin und Diesel im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr wieder gesunken sind. So bleiben im Durchschnitt weniger als 8 Cent/Liter für den Transport, Vertrieb und das Marketing über. Nach Abzug aller dieser Kosten liegt der Gewinn der Mineralölunternehmen pro Liter verkauften Kraftstoffes über das Jahr gesehen mittlerweile bei nicht mehr als einem Cent.